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17. März 2017

Nice to Graz you! Hinter den Kulissen von Teilprojekt 04 in Graz

Graz, Österreichs zweitgrößte Stadt, ehemalige Kulturhauptstadt Europas und kürzlich von The Guardian als „Vienna’s cooler little sister” tituliert, darf sich seit nunmehr über einem Jahr auch als das Zentrum der Österreichischen Stadtsprachenforschung bezeichnen. Als Teil des Spezialforschungsbereichs (SFB) Deutsch in Österreich: Variation – Kontakt – Perzeption fokussiert das Grazer Projekt 04 „Wien und Graz – Städte und ihre sprachlichen Strahlkräfte” auf die Vielschichtigkeit von Sprache im städtischen Raum in und um Wien und Graz. Hierbei stellt der Sprachgebrauch in der Stadt mit all seinen Facetten nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus gesellschaftspolitischer Perspektive einen ausgesprochen interessanten Forschungsbereich dar. Da sich unser Projekt allerdings noch in der Phase der Datensammlung befindet, müssen wir uns bezüglich konkreter sprachlicher Analysen noch etwas gedulden. Für alle, die jedoch nicht so lange warten wollen, haben wir gute Nachrichten: Dank unseres SFB-eigenen Blogs haben wir schon jetzt die Möglichkeit, allen Interessierten einen kleinen Einblick in unseren Forschungsalltag zu bieten und sie hinter die Kulissen der Stadtsprachenforschung in Österreich zu führen.
 
In den Startlöchern

Nach dem ersten Jahr intensiver Konzeptionsarbeit, in dem alle Kriterien für die Sprachaufnahmen festgelegt und geeignete Rahmenbedingungen geschaffen wurden, steht das zweite Projektjahr unseres Grazer Teilprojekts nun ganz im Zeichen der aktiven Feldforschung. Das ambitionierte Ziel haben wir fest vor Augen: Gesprächsaufnahmen mit über 200 Personen in zehn verschiedenen Bezirken. Klingt viel, ist es auch!


  Dass die Suche nach geeigneten und vor allem interessierten Gesprächspartnerinnen und -partnern durchaus herausfordernd sein kann, haben wir – und vor allem unsere studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – schon bald bemerkt. Dennoch machen wir uns Tag für Tag hochmotiviert auf die Suche nach potenziellen Gewährspersonen, um diese für unser Projekt zu begeistern, sei dies bei Seniorentreffen in Pfarrhäusern, via Facebook-Aufrufe oder in langen Telefongesprächen mit Personen aus der Lokalpolitik.

 

Im Forschungseinsatz

  Hat sich jemand für ein Gespräch gefunden, bemühen wir uns darum, jedem Terminvorschlag ungeachtet der Tageszeit oder des Wochentages nachzukommen. Gut ausgerüstet mit Aufnahmegeräten, allen Forschungsunterlagen (Gesprächsleitfaden, Sozialdaten-Fragebogen & Lesetext) und einem kleinen Geschenk für unsere/n Gesprächspartner/in lassen wir regelmäßig den Büroalltag hinter uns und machen uns auf den Weg zur Gesprächsaufnahme.


  Neben den Sprachdaten, die wir auf diese Weise für weiterführende grammatische und phonologische Analysen generieren können, sind es insbesondere die menschlichen Begegnungen, die unseren Beruf in dieser Phase der Projektarbeit lohnenswert machen. So können wir bereits nach nur wenigen Monaten aktiver Feldforschung auf viele positive und interessante Gespräche mit Gewährspersonen verschiedener Altersklassen zurückblicken – ein Umstand, der keineswegs selbstverständlich ist, uns aber in der Annahme bestärkt, dass die Vielfalt der deutschen Sprache im städtischen Raum ein Thema ist, das nicht nur Forschende, sondern auch die breite Öffentlichkeit brennend interessiert.

 

Nächste Schritte

  Auf die Gesprächsaufnahmen folgt schließlich die arbeitsintensive Phase der Datenaufbereitung. In diesem Arbeitsschritt werden die einzelnen Aufnahmen mithilfe des Transkriptionsprogramms EXMARaLDA verschriftlicht, um nicht nur Audiodateien sondern auch Textversionen für die anschließende Analyse zur Verfügung zu haben. Hierbei kann je nach Beschaffenheit der Gesprächsaufnahme und Anforderung an das Transkript eine einzige gesprochene Minute auch für geübte Transkribierende bis zu 90 Minuten Zeit in Anspruch nehmen.

Bisher beschränken sich unsere Aufnahmen auf den Raum Graz und auf leitfadengesteuerte Gespräche mit einzelnen Gewährspersonen. Dies wird sich jedoch bald ändern: Einerseits werden unsere Erhebungsmethoden um Aufnahmen von freundschaftlichen Gesprächen zwischen zwei Gewährspersonen erweitert, die sich im Gegensatz zu unseren bisherigen Aufnahmen durch die soziale Nähe der Gesprächspartnerinnen und/oder -partnern auszeichnen. Andererseits werden wir den uns vertrauten Raum Graz verlassen und in neue räumliche sowie sprachliche Gefilde aufbrechen. Mit Vorfreude auf die Gespräche mit unseren Gewährspersonen aus Österreichs Hauptstadt heißt es daher für uns schon bald „Vienna calling”!

 


Zitation
Herbert, Kristina / Fischer, Ann Kathrin (2021): Nice to Graz you! Hinter den Kulissen von Teilprojekt 04 in Graz.
In: DiÖ-Online.
URL: https://iam.dioe.at/blog/569
[Zugriff: 22.01.2022]