Zeichnung einer Golatsche

Woher stammt das Wort Golatsche?

beantwortet von: Johanna Holzinger

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Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Lokalisierung und Translation“ habe ich von DiÖ und der Frage des Monats erfahren. Da ich das Projekt interessant finde, habe ich beschlossen, selbst eine Frage einzuschicken und auch gleich zu beantworten.

Woher stammt das Wort Golatsche?

Das Wort Golatsche (oder auch Kolatsche) ist slawischen Ursprungs. Aus einer Literaturrecherche ergibt sich, dass die Bezeichnung „Golatsche“, die als „gefüllter Kuchen, rund oder viereckig“ definiert werden kann, von dem tschechischen Wort koláč ‚Kuchen‘ hergeleitet wird (vgl. Ammon 1995: 179).

 Kolo bedeutet auf Tschechisch und Slowakisch ‚Rad‘, ein koláč ist demnach ein etwas in Kreisform“ oder „etwas in Radform“. In anderen slawischen Sprachen existieren ähnliche Wörter, die allesamt verschiedene Varianten von runden Süßgebäcken bezeichnen. So gibt es im slowenischen, serbischen, bosnischen und kroatischen Sprachraum die Bezeichnung kolač, im Polnischen kołacz, im Russischen калач und Ukrainischen колач. Aber auch im Ungarischen, Siebenbürgischen und Jiddischen existieren mit kalács, Klo:tsch und Koiletsch verwandte Bezeichnungen.

            Die Golatsche ist altslawischen Ursprungs und spielte früher eine wichtige Rolle bei Hochzeitszeremonien. Im Unterschied zur polnischen und tschechischen Version wird die österreichische Golatsche oben mit Teig verschlossen, deswegen wird sie in der Umgangssprache auch als „Tascherl“ bezeichnet. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Golatsche auf österreichischem Gebiet im sogenannten Granatapfel-Kochbuch von 1687 im Rezept „Die guten böhmischen Golatschen“. Von Wien aus wurde das Gebäck nach Dänemark weiterverbreitet, wo es als Wienerbröd bekannt ist (vgl. Kolatsche).

            Entlehnungen aus benachbarten slawischen Sprachen gibt es im deutschen Sprachraum seit dem Mittelalter, aber gerade der tschechische Einfluss auf das Wienerische im 19. Jahrhundert kann als besonders stark bezeichnet werden. Ein Grund dafür liegt in der Nähe Wiens zum Gebiet der heutigen Tschechischen Republik und der Arbeitsmigration aus diesem Gebiet zur Zeit der Industrialisierung, ein anderer in der toleranten Sprachpolitik des damaligen Habsburger Reichs (vgl. Polenz 2000: 409). 

Literaturverzeichnis:

Ammon, Ulrich. 1995. Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin/New York: de Gruyter.

Kolatsche. In: austria-forum.org/af/AustriaWiki/Kolatsche, Stand: 11. 03. 2018. 

Polenz, Peter von. 2000. Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Bd. 1. Einführung, Grundbegriffe. Berlin/New York: de Gruyter.

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Johanna Holzinger
Ist seit 2017 Studentin der Translation mit Schwerpunkt Fachübersetzen an der Universität Wien. Davor hat siedie Bachelor-Studiengänge Slawistik, Skandinavistik und Transkulturelle Kommunikation absolviert. Derzeit schreibt sie an ihrer Masterarbeit zum Thema „Freimaurer als Übersetzer: Matthias Claudius, Johann Heinrich Voß und Gotthold Ephraim Lessing“. Beruflich ist sie Förderlehrerin für Deutsch und Englisch.